The Twilight, the place to be

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Hier einmal die Edda, altes Sagen gut der Normannen:

Das Werden der Welt, der Riesen und Götter (Asen)

Einst -so glaubten unsere Vorfahren, die alten Germanen- gab es eine Zeit, da alles nicht war: nicht Erde und Meer, noch der Himmel mit seinen unzählbaren Sternen, nichts war da, als ein ungeheurer, finsterer Abgrund: Ginnungagap, die gähnende, lautlose, tote Kluft.

Aber in dem grenzenlosen, schweigenden All lebte Fimbultyr, der geheimnisvolle, große, allmächtige Weltgeist, den nie ein Auge gesehen. Allvater ist es, der Starke von oben, der alles steuert und ordnet ewige Satzungen an. Nach seinem Willen entstand im hohen, kalten Norden das finstere Reich Nifelheim und fern im Süden Muspelheim, das Reich der Gluthitze, des Feuers. Und ein Brunnen entsprang im urkalten Nifelheim: Hwergelmir, der brausende Kessel. Aus seiner grundlosen Tiefe brachen zwölf Ströme hervor, die sich mit donnerndem Rauschen in den unermeßlichen Abgrund stürzten. Ihre Fluten, die Eliwagar, erstarrten in der grausigen Kälte Ginnungagaps zu Eis, und da der brausende Kessel sich immer erschöpfte, schob sich eine Eisschicht über die andere, und im Laufe vieler Jahrtausende füllten die stetig wachsenden Massen einen Teil des gähnenden Schlundes aus.

Wie anders war es im Reiche des heißen Südens, in Muspelheim! Dort zischte und blitzte es von umherstiebenden Feuerfunken, auf tausend Essen sprühte und leuchtete die rote Glut, und die Hitze war so groß, daß nur einer sie zu ertragen vermochte: Surtur, der Beherrscher des Flammenreiches Muspelheim. Dort saß auf einem Felsblock der Feuerriese, schwarz und finster von Angesicht, gestützt auf sein flammendes Schwert, und beobachtete, wie die Funken von seinen Essen über den gähnenden Abgrund flogen und drüben auf die Eisblöcke Nifelheims niederfielen. Wußte er, was die sprühenden Flammengeister dort wirkten und schafften? Hatte Fimbultyr, der ihn zum Herrn von Muspelheim gesetzt hatte, ihm kundgetan, daß dort eine neue Welt von großen, reichen Lebens entstehen solltet? Reichte sein Blick bis an das Ende der Tage, da er im Bunde mit allen Unholden der Zerstörung aufbrach, um in gewaltigem Kampfe die Schuld und Sünde versunkene Welt der Götter und Menschen zu vernichteten? –

Die Feuerfunken vermischten sich mit den Wassertropfen aus dem Urweltbrunnen, und auf den starren Eismassen des Eliwagar fing es an zu zischen, zu dampfen, zu wallen, und siehe: aus der kreisenden Gärung entstand ein lebendes Wesen: Ymir oder Örgelmir: der brausende Lehm.

Und noch ein zweites Lebewesen ging aus den gärenden Massen hervor: die Kuh Audhumbla, die Schatzreiche. Aus ihrem Euter flossen vier Milchströme, die dem Riesen Ymir zur Nahrung dienten und ihm ungeheure Kraft verliehen. Eines Tages, da er sich satt getrunken, entschlief er geriet Schweiß. Da erwuchs ihm unter einem Arm ein Sohn und unter dem anderen eine Tochter, und diesen beiden entstammte das gewaltige Geschlecht Hrimthursen: Reif- oder Frostriesen.

Die Kuh Audhumbla leckte an den salzigen Eisblöcken, und unter ihrer Zunge kam aus dem Block in drei Tagen ein Mann hervor: groß, stark und schön. Er nannte sich Buri und schuf aus eigener Kraft einen Sohn, Bör geheißen. Dieser nahm die Riesentochter Bestla (die Beste) zum Weibe, und sie gewannen drei Söhne: Odin, (Geist), Wili (Wille) und We (Weihe oder Weh?) Also Wotan, Hönir und Loki.

Diese drei Söhne Börs waren von göttlicher Kraft und Schönheit, ganz unähnlich den unförmigen, plumpen Riesen aus dem Geschlechte Ymirs. Wem gebührte nun die Herrschaft über die werdende neue Welt: dem brüllenden Lehmriesen Ymir und seiner unholden Sippe, oder den edlen Söhnen des Bör? -

Sie zogen aus zum Streite widereinander, und trotz seiner gewaltigen Kraft unterlag der schreckliche Brüller und ward erschlagen. Aus den Wunden des Ungeheuers ergossen sich so mächtige Blutströme, daß in der dampfenden Sintflut alle Hrimthursen erkranken - bis auf zwei: den Bergelmir und sein Weib, die sich auf einem Boote retteten. Diese beiden wurden die Stammeltern aller späteren Riesengeschlechter.

Als sich die Flut verlaufen hatte, nahmen die Sieger den ungeheuren Körper Ymirs, warfen ihn mitten in den gähnenden Abgrund zwischen Nifel- und Muspelheim und schufen aus ihm die neue Welt. Aus dem Fleisch wurde die Erde geschaffen, aus dem Blut das Meer und alle Gewässer, aus den Knochen die Berge, aus den Zähnen die Steine, aus den Haaren Bäume und Sträucher, aus dem Schädel die Wölbung des Himmels und aus dem Hirn die wallenden Wolken, aus den Augenbrauen aber erbauten sie einen festen Wall gegen das Meer. An der jenseitigen Küste und auf den Inseln des Nordens und Ostens siedelten sich die Riesen an; die erhöhte Mitte der Scheibe wurde Midgard benannt und sollte künftigen Menschengeschlechtern zur Heimstätte werden.

So hatten Odin, Hönir und Loki sich die Weltwirtschaft erobert, und mit Recht nannten Sie sich Asen, d.h., Säulen der Welt.



Tag und Nacht, Sonne Mond und Sterne

Nun waren Himmel und Erde, Wolken und Meer geschaffen, aber noch war es finster in Tiefen und Höhen, und aus dem Reiche der Riesen wehten eisigkalte Lüfte. Da sprach Odin, der erstgeborene und vornehmste Ase, zu seinen Brüdern Hönir und Loki:

„Unserer jungen Welt fehlen Licht und Wärme; ohne sie können sich nimmer blühendes Leben und holde Schönheit entfalten. Auf! Lasset uns Surturs Feuerflammen die funkelnd die Lüfte durchwirbeln, einfangen und sie als leuchtende Gestirne an das Himmelsgewölbe setzen!“

Das taten die Asen, und bald strahlte das Firmament im Lichte unzählbarer Sterne.

Die dunkle Riesentochter Nott (Nacht) die bisher allein die Zeit beherrscht hatte, nahm nun einen Mann aus göttlichem Geschlecht, den schönen Dellinger, zum Gemahl und erhielt einen Sohn, der Dag (Tag) genannt wurde. Dieser war heiter und schön von Augen und Antlitz und glich seiner riesischen Mutter so wenig, wie die Nacht dem Tage gleicht. Unter diese beiden teilte Odin die Zeit, gab der Mutter einen dunklen Wagen mit dem schwarzen Roß Hrimfaxi (Reifmähne) und dem Sohne einen goldig schimmernden Wagen mit dem weißen Hengst Skinfaxi (Glanzmähne). Wenn nun der Abend naht, so kommt die Riesin Nacht am Himmel emporgefahren und von ihrem schwarzen Mantel fallen dunkle Schatten auf die Welt. Ihr Pferd Hrimfaxi schüttelt Reif aus Mähne und Schweif, und der Schaum seines Gebisses fällt als Tau herab.

Morgens in der Frühe aber steigt Tag in seinen Wagen, fährt aus dem goldenen Himmelstor die blaue Bahn hinan, die seine Mutter nun zurückgelegt hat, und sein heiteres, freundliches Angesicht und Skinfaxis strahlende Mähne verleihen der Welt ein sanftes, mildes Licht.

Außer den zahllosen kleinen Gestirnen hatten die Asen auch zwei große Sterne geschaffen, doch hatten sie diesen ihren Sitz noch nicht angewiesen. Nun lebte in Riesenheim ein Mann mit Namen Mundilföri. Der hatte zwei sehr schöne Kinder, Knabe und Mädchen. Den Knaben nannte er Mani (Mond) und das Mädchen Sol (Sonne). Die Geschwister wuchsen zu prangender Jugendblüte heran, und in seinem Vaterstolz vermaß sich Mundilföri seine Kinder mit den hohen Asen zu vergleichen. Darob schüttelte Odin zürnend sein Haupt und er entriß dem verblendeten Manne die Kinder, versetzte sie an den Himmel und übertrug ihnen die Führung der beiden großen Gestirne. Sol, das Mädchen, musste auf des Gottes Geheiß den Sonnenwagen fahren, vor den zwei windschnelle Rosse: Frühwach und Allgeschwind, geschirrt wurden, ihr Bruder Mani aber fährt den Wagen des Mondes. Und damit die Glut der Sonne nicht Himmel und Erde in Flammen setzte, befestigte Odin vorn am Wagen den Schild Swalin,

„Denn Berge und Brandung verbrannten gewiß

Von der strahlenden Gottheit der Sonne“.

So hatte nun die junge Welt Licht und Wärme, und Tag und Nacht waren durch den Auf- und Untergang der großen Himmelslichter geschieden: Dem vorauffahrenden Tag folgt mit ihren schnellen Rossen die Sonne, und hinter der dunklen Nacht kommt in seinem Wagen Mani, der mildleuchtende Mond, gezogen.

Den götterfeindlichen Riesen aber war das Licht mit seiner wohltätigen Wärme verhaßt, und sie beschlossen, Sonne und Mond zu vernichten. Zwei grimme Wölfe: Sköll (Stürmer) und Hati (Haß) hetzten sie auf die strahlenden Himmelslichter. Mit klaffenden Rachen rennt Sköll hinter der Sonne her, um sie zu packen, Hati aber verfolgt, einer schwarzen Wetterwolke vergleichbar, den Mond. Schnell wie der Wind laufen die Himmelsrosse, und dennoch gelingt es manchmal den Wölfen, die rollenden Wagen einzuholen. Dann sind Sonne und Mond in großer Gefahr, und sie erbleichen vor Angst und verlieren all ihren Glanz. Menschenkinder sagen dann: „Es ist Sonnen- oder Mondfinsternis.“ Zum Glück für die Welt ist es Sol und Mani bisher noch immer gelungen, ihren Verfolgern zu entfliehen; erst am Ende der Welt werden die Wölfe sie einholen und beide verschlingen. –

Sonne und Mond, die schönen Rosselenker der großen Himmelsgestirne, wurden von einigen germanischen Völkern, zum Beispiel den Sachsen, als göttliche Wesen verehrt und man benannte nach ihnen die beiden ersten Tage der Woche. -



Erschaffung der Menschen

Unter den warmen Strahlen der Sonne bedeckte sich Midgard, das weite Land in der Mitte der Erde, im Laufe der Zeiten mit Gras und Kräutern, Blumen und rauschenden Wäldern; auch wurde es allmählich mit Tieren, groß und klein, bevölkert. Es fehlte darin nur noch der Mensch, das Ebenbild der Götter, für den diese es doch zur Heimat bestimmt hatten.

Da gingen eines Tages die Asen Odin, Wili (Hönir) und We (Loki) am Meeresstrande entlang und kamen zu zwei Bäumen: Ask (Esche) und Embla (Ulme oder Erle?). “Aus diesen Bäumen”, sprach Odin zu seinen Brüdern, “lasset uns Menschen machen, auf das Midgard, die schöne, fruchtbare Erde, von ihnen und ihrer Nachkommen bewohnt und angebaut werde und wir an ihrem Tun und Treiben, Ringen und Kämpfen, Blühen und Gedeihen Lust und Freude gewinnen.”

Allvater sprach es, und sie schufen aus der Esche einen Mann und aus der Ulme ein Weib. Odin verlieh ihnen Geist und Leben, Hönir Verstand und Bewegung und Loki die Sinne, Gefühle, blühende Farbe und Sprache.

So stand nun vor den Göttern das erste Menschenpaar in seiner holden Schönheit und Unschuld, und Allvater streckte seine Hand über Midgard aus und sprach zu den Neuerschaffenen: “Seht! Das ist eure Heimat! Da sollt ihr fortan wohnen, Tiere zähmen und züchten, daß Land bebauen und essen die Früchte der Bäume und des Feldes - ihr und eure Kinder und Kindeskinder.”

Ask und Embla folgten dem Winke Odins, und von ihnen stammen alle Völker germanischer Zunge ab, welche das weite Midgard bewohnen.



Riesen

Älter als Götter und Menschen waren die Riesen, denn Ymir, das erste lebendige Wesen der Erde, war ihr Stammvater. Ihnen gebührte daher nach ihrer Meinung die Weltherrschaft, und all ihr Trachten ist darauf gerichtet, das verlorene Erbe wiederzugewinnen. Daher sind sie unversöhnliche Feinde der Asen und hassen alles, was diese und ihre Kinder, die Menschen, Gutes, Lichtes und Schönes schaffen. Hielte die Übermacht der Götter sie nicht in Schranken, so würden sie Sonne und Mond und alle Gestirne am Himmel auslöschen und die schöne, lichte Welt wieder in eine finstere, nebeltrübe Schlammwüste verwandeln, wie es in Urzeiten gewesen.

Man unterscheidet Berg-, Wald-, Feuer-, Sturm-, Winter-, Reif- oder Frostriesen. Auch gibt es Riesen in Drachen- und Tiergestalt; hierzu gehören der Fenriswolf, die Midgardschlange, der Drache Nidhögger mit seiner Sippe, Fafner,, den Siegfried erschlug, und Hräswelger, der Adler hoch oben im Norden an der Stirn der Erde, der mit seinen Flügelschlägen Sturm und Wind verursacht. -

Alle Riesen sind von übermenschlicher Größe und Körperkraft, wahre Ungeheuer von Gestalt, bergehoch, roh und plump, und wild und schrecklich von Angesicht. Ihre Waffen sind mächtige Steinkeulen und Steinschilde, und zentnerschwere Felsstücke dienen ihnen als Wurfgeschosse. Steinhart sind auch ihre Schädel, und nicht selten ist sogar auch ihr Herz von Stein. Da kann man wohl nicht erwarten, daß Sie mit anderen Wesen mitfühlen.

Die Bergriesen hausen in den Gebirgen, und zwar mit Vorliebe in den wildesten Gehegen, wo es recht unfruchtbar und schauerlich ist. Gerade so lieben es diese Unholde, und sie trachten, die blühenden Fluren der Menschen am Fuße der Berge ebenfalls in wüstes Ödland zu verwandeln. Darum verursachen sie nicht selten Felsstürze, lassen wilde Gießbäche und Lawinen zu Tal sausen und brausen und vernichteten damit in weitem Umkreis die mit Fleiß und Mühe geschaffene Kulturarbeit der Menschen.

Hier und da hat sich auch ein frecher Steinriese mitten im Ackerfelde angesiedelt, und vor der felsigen Schwelle seiner Behausung muß der Pflug des Bauern Halt machen. Deshalb haßt der Landmann den Riesen und sucht seine Wohnung zu zerstören. Freilich gelingt ihm das nicht immer, seine Kraft ist zu schwach; da ruft er denn seinen göttlichen Freund und Schirmherrn Thor, den mächtigen Donnerer, zu Hilfe. Und nicht vergebens: im Gewitter, kommt der Ase dahergefahren und schleudert seinen Hammer in die Felsenwohnung des Riesen, daß sie krachend zusammenbricht. So wird der Unhold gezwungen, von dannen zu ziehen, und bald geht der Pflug über die Stätte, wo die Steinburg gestanden, und im Sommer wogt ein Wald goldener Ähren darüber.

Sicherer sitzen die Riesen in den Hochgebirgen, und selbst dem gewaltigen Asa-Thor gelingt es nicht, sie daraus zu vertreiben. Ja, nicht einmal in unseren deutschen Mittelgebirgen, vornehmlich im Harz und dem Riesengebirge, hat der Gott sie völlig ausrotten können: reißende Bergströme, die in manchem Frühjahr mit Macht von oben herab in die Täler sich ergießen und unsägliches Unheil anrichten, zeugen noch heute von dem Dasein und der verderblichen Wirksamkeit der alten Unholde. -

Wohl noch grimmiger und finsterer, als die Bergriesen, zeigen sich ihre Vettern: die Reif- oder Frostriesen. Unter ihrer strengen Herrschaft haben wir alle im Winter genug zu leiden. Viel schlimmer aber haben diese Unholde unseren Vorfahren, den alten Germanen, und den Völkern des hohen Nordens mitgespielt. Damals war ihre Macht so groß, daß Sie den größten Teil des Jahres beherrschten. Sie wollten mit ihrem Grimm Götter und Menschen und alles Leben auf der Erde austilgen, doch ist ihnen dies schnöde Vorhaben zum Glück nicht gelungen. Vermöge seiner Klugheit hat der kleine Mensch einen Sieg nach dem anderen über die grausamen Unholde erfochten; denn das Licht ist stärker als die Finsternis, und Geist und Witz sind mächtiger, als rohe Körperkraft und maßloses, blindes Wüten.

Allerdings hatte der Mensch in diesem schweren Kampfe mächtigen Bundesgenossen: die hohen Asen. Vor allen anderen hat der Donnerer Thor unablässig die Eis- und Frostriesen befehdet und so manchen furchtbaren Häuptling mit seinem ganzen Heere erschlagen. Doch die Unholde gänzlich auszurotten, ist den vereinigten Kräften des Gottes und der Menschen bis auf den heutigen Tag nicht gelungenen; das erfahren wir in jedem Winter, wenn eisige Stürme über Midgard hinbrausen und uns vor Kälte das Herz im Leibe erschauert. -

Von den Wasserriesen ist der mächtigste Ägir, aber der weiseste Mimer. Ägir ist der Beherrscher des Weltmeeres, und jeder Küstenbewohner kennt und fürchtet seine Macht und seinen Grimm. Wenn er zornig wird, so erbebt die See bis in die Tiefen, haushohe Wogen springen empor und beginnen schäumend und brüllend ihr wildes Spiel. Hungrigen Wölfen und Drachen gleich, stürmen sie nach den Gestaden Midgards, und als Sturmfluten verschlingen sie nicht selten ganze Inseln und weite Strecken des Festlandes. Die Bewohner der Halligen in der Nordsee haben unter den Schrecken, die Ägir in seinem Zorn fort und fort über sie heraufbeschwört, furchtbar gelitten und leiden darunter bis auf den heutigen Tag. Jedoch nicht immer gebärdet sich dieser mächtige Seeriese so grimmig; zuzeiten ist er milde und heiter gestimmt, und dann ist auch das Meer ruhig und still und liegt da wie ein ungeheurer blanker Schild, auf welchem sich der weite blaue Himmel mit seinen Gestirnen spiegelt. Besonders in den sonnigen Tagen des Spätsommers, um die Zeit der Leinernte, ist Ägir bei guter Laune. Dann kommen sogar die hohen Asen zu ihm zu Gaste und feiern in seinen herrlichen Hallen, die von dem Golde, womit Säulen und Wände und Deckenwölbungen reich geziert sind, taghell erleuchtet werden, weitere Gelage. Der Glanz des Goldlichts schimmert aus der Tiefe hindurch bis auf die Oberfläche der See; das ist das wundersame Meeresleuchten in schönen Sommernächten.

Ägirs Gemahlin heißt Ran oder Rahana. Sie wird die raffende genannt, weil sie ihre Arme raubgierig nach den Schiffen emporstreckt, die auf den Wogen fahren, um sie mit Mann und Maus in die Tiefe hinabzuziehen. So hat sie schon Hunderte und Tausende wackerer Seemannen an sich gerafft und in ihr unterseeisches Reich geführt, wo sie ihre Wiesen mähen, ihre Äcker bestellen und ihre Kühe weiden müssen. Man sieht die Herden auch zuweilen auf der Oberfläche des Wassers, sie gleichen den Spiegelbildern der Wolken am Himmel.

Rahana hat neun Töchter, wilde Wogenmädchen, die der Mutter in ihrem schifferfeindlichen Tun und Treiben getreulich helfen. Auf schäumenden Wellenrossen kommen sie dahergestürmt, setzen die Seefahrer in Verwirrung und Schrecken, spielen mit ihren Fahrzeugen Fangball und bringen sie oftmals zum Kentern und Versinken.

Zuzeiten freilich sind auch die wilden Jungfrauen wie ihr Vater sanfteren Sinnes; dann tanzen sie auf den Wogen singend den Reigen und lassen ihre schneeweißen Schleier und ihre grünen Haare lustig im Winde flattern. –

Ein anderer, höchst grimmiger Meerriese hieß Grendel; diesen erschlug in heldenmütigem Kampfe der tapfere Gotenkönig Beowulf. -

Mimer, der weiseste und friedlichste aller Wasserriesen, hatte einen Brunnen zu eigen, der unter einer Wurzel der Weltesche im Lande der Hrimthursen (Reifriesen) quoll. In ihm war uralte Weisheit verborgen. Täglich trank Mimer aus dieser Wunderquelle, und da kann man sich vorstellen, wie weisheitsschwer dieser Mann sein mußte. Ihm waren uralte, wichtige Geheimnisse der Vorzeit kund, die selbst für den durchdringenden Geistesblick Odins nicht zu ergründen waren. Da begab sich einst der Ase zu Mimer und bat ihn um einen Trank aus seinem Brunnen. Aber der Riese forderte einen hohen Preis als Pfand, nämlich: ein Auge Odins. Und was tat da der Allvater? - Er gab eins seiner Augen hin - so kostbarer dünkte ihn die Weisheit. Hätte solches auch ein plumper Riese getan? -

Seit jener Stunde ist Odin einäugig. Alleine dessenungeachtet vermag er doch besser zu sehen, als alle anderen Wesen, denn das ihm verbliebene Auge ist die Sonne, die alles überblickt und durchdringt. So war wohl das verpfändete der Mond, der in Mimers Brunnen, dem Meere, untergeht? - So mag es wohl sein; denn es heißt in einem alten Liede: “ Kenntnis (Weisheit) trinkt Mimer jeden Morgen aus Walvaters Pfand” (Odins Auge); und hat nicht der Neumond in den ersten Nächten die Form eines Trinkhorns? -

Andererseits gilt Mimer als der Gott der Weltgeschichte; dann wäre sein Brunnen Quelle und Inbegriff aller Erfahrung von Anbeginn der Zeiten, und wer bedurfte solcher Weisheit notwendiger als Odin, der Lenker der Welt? -

Unter den Feuerriesen ist der älteste und mächtigste Surtur, der schwarze Beherrscher von Muspelheim. Dieser wird einst als Anführer aller Flammengeister die Welt anzünden und an ihrer Vernichtung den größten Anteil haben. Er verkörpert das verheerende Wildfeuer, von welchem der Dichter sagt: “ doch furchtbar wird die Himmelskraft, wenn sie der Fessel sich entrafft.” -

Ein anderer Feuerriese hieß Gheirröd oder Gerrot, der es auf Asa-Thors Leben abgesehen hatte, aber von dem Hammer des zornigen Gottes zerschmettert wurde. -

Im Norden hießen die Riesen Jötune und Hrimthursen, und ihr Reich war Jötun- oder Riesenheim, nach einem mächtigen Häuptlinge auch Thrymheim - das schallende, von Geschrei und lautem Getöse widerhallende - genannt.

Jötun oder Jätte bedeutet einen starken Esser, einen Fresser, und Thurs einen, der immer Durst hat, also einen Säufer. Die Riesen waren also Schlemmer und Schwelger, Prasser und Trunkenbolde, und als solche waren sie die geschworenen Feinde der Asen, die dem Guten, Wahren und Schönen huldigten und redlich kämpften, um die heiligen Satzungen Fimbultyrs, d.h., die Gesetze des Geistes, der Sittlichkeit und Schönheit, auf Erden zur Geltung zu bringen. Darum nannten Sie sich auch mit Recht Asen: Säulen der Welt; denn diese kann nur bestehen und sich kräftig fortentwickeln, wenn in ihr der Geist der Wahrheit, Sittlichkeit und Schönheit waltet.

So ist es im Großen und so auch im Kleinen. Ein Mensch, der nur auf die Befriedigung gemeiner sinnlicher Begierden, auf Essen und Trinken, bedacht ist, hat keine Gemeinschaft mit den guten Göttern; er gehört zu den rohen Unholden der Finsternis “ und ihm wäre besser, er wäre nie geboren”. Unsere Vorfahren, denen nachgesagt wird, daß Sie unmäßige Zecher gewesen seien, haben also doch sehr wohl gewußt, daß die Trunksucht ein verderbliches Laster ist, und da andererseits Tacitus mit erhebenden Worten ihre Keuschheit preist, dürfen wir wohl mit Recht annehmen, daß die Edlen unter ihnen auch ein mäßiges Leben geführt haben; denn Schlemmer und Trunkenbolde sind auch nicht keusch, ein Laster erzeugt das andere, bei ihnen aber “ lacht niemand des Lasters”, schreibt der Römer Tacitus.

Unsere Ahnen standen also im Bunde mit den Asen und stritten mit ihnen wider die plumpen Riesen, die rohen Mächte der Finsternis. Dieser ihrer sittlichen Hoheit haben wir es zu danken, daß wir da sind. Asen und Riesen, Gute und Böse, Licht und Finsternis stehen sich auch heute noch in heißem Kampfe gegenüber - auf welcher Seite streiten nun wir, die Nachkommen der hochgesinnten heidnischen Germanen? - Wird ein anderer Tacitus in späteren Tagen auch uns nachrühmen können: “ Bei ihnen - den Deutschen des 20. Jahrhunderts - lacht niemand des Lasters?” ...



Die Elben (Alfen oder Elfen) und Zwerge

Die ganze sichtbare Natur: Luft und Wasser, Berg und Wald, Wiese und Feld, ja, selbst das Innere Erde, wimmelt von kleinen Wesen, die man Elben oder Elfen und Zwerge nennt. Sie haben aber auch noch viele andere Namen, zum Beispiel Wichte, Gnomen, Kobolde, Waldschrat, Wurzelmännchen, Nixen, Unterirdische, Heinzelmännchen, Herdmännlein, Hütchen, Mahr, Irrwisch usw.

Man unterscheidet zwei Hauptgruppen dieser sonderbaren kleinen Wesen: die Schwarzelben oder Zwerge und die Lichtelben oder Elfen. Beide sind sehr verschiedener Art, werden aber oft miteinander vermischt. Die Zwerge standen ihrer Natur nach den Riesen nahe, gehörten der dunklen Erde an, waren häßlich und mißgestaltet gleich ihren langen Vettern, dickköpfig, langbärtig, greisenhaft schon im Kindesalter, nicht selten auch mit einem Höcker auf dem Rücken belastet, kurz: es waren mit wenigen Ausnahmen häßliche braune Knirpse. Aber an Verstand und Witz waren sie den dummen Riesen so hoch überlegen, wie diese ihnen an Körpergröße, darum auch halten sie sich lieber zu den Asen und Menschen, als sie ihren plumpen einfältigen Verwandten. Geist adelt, und ein gescheiter, häßlicher Zwerg darf mit Recht einen höheren Rang beanspruchen, als ein Unhold an Größe und Kraft, der mit seinem dicken Schädel Berge über den Haufen rennen kann. Vom Ursprunge der Zwerge wird berichtet:

Im Fleisch des Urweltriesen Ymir, dem gärenden Lehm, aus welchem die Erde gebildet worden war, entstanden kleine Wesen, zahllos und häßlich wie Maden. Ihnen verliehen die Asen Menschengestalt, doch in winzigem Maßstabe, in Kindergröße, und begabten sie mit Verstand, Witz, lustigem Sinn und großer Kunstfertigkeit. Ihrer vier stellte Odin unter die vier Hörner der Firmaments, den Himmel zu tragen; diese hießen Nord, Süd, Ost und West. Die anderen verblieben zumeist in Schwarzelbenheim, dem Inneren der Erde, erbauten sich Wohnungen in den Felsenklüften, schürften in den Bergen nach Schätzen, gewannen Erze aller Art: Kupfer und Eisen, Silber und Gold, errichteten Schmiedewerkstätten und schufen darin allerlei köstliche Dinge: Ringe und Ketten, Gürtel und Spangen, Halsbänder und Kronen, Kannen und Becher, Schwerter und Schilde, Helme und Harnische und noch viele andere herrliche Kleinode. Die Kunstfertigkeit der kleinen Meister ward bald berühmt bei Asen und Menschenkindern.

Einige besonders kluge und geschickte Zwerge gewannen große Reichtümer und wurden mächtige Herrscher in Schwarzelbenheim, so der berühmte Walberan und sein Neffe Laurin, der Herr des zauberschönen Rosengartens in Tirol, so die Könige Schilbung und Nibelung, welche Siegfried erschlug und dabei seinen Schatzmeister Alberich und den unermeßlichen Nibelungenhort gewann, so Eibisch und Goldemar im Harz und Hans Heiling im Böhmerwalde. Nicht minderen Ruhm genossen die großen Schmiedemeister Mimer und Wieland, die zwar mit den Riesen verwandt waren, aber ihrer Natur nach doch zu den Schwarzelben gehören.

Andere Zwerge, die Heinzel- und Herdmännchen, siedelten sich in den Wohnungen der Menschen an, hielten sich jedoch in ängstlicher Verborgenheit und verrieten ihre Anwesenheit nur durch ihr geheimnisvolles Wirken im Dunkel der Nacht. Gewährte ihnen der Mensch gern Gastfreundschaft in seinem Hause und Wärme an seinem Herd, so bewiesen sie sich äußerst dankbar, halfen ihm ungesehen fleißig in seiner Wirtschaft und verliehen seinem Hause Glück und Gedeihen; feindselig und rachsüchtig aber zeigten sie sich sich, wo sie verfolgt, verspottet oder sonst schwer gekränkt wurden. Dann merkt ihr unmilder Wirt gar bald, daß es mit seinem Hauswesen bergab geht: an allen Ecken und Enden wird er bestohlen, die Kühe werden ihm nachts ausgemolken, die Pferde beunruhigt, sein Kind in der Wiege geraubt und dafür ein häßliches Zwergenkind, ein sogenannter Wechselbalg, hineingelegt, ja, er selbst wird von seinem unsichtbaren Feinde, dem Nachtmahr oder Alb, im Schlafe so gequält, daß er oft gleich einem Sterbenden ächzt und nach Atem ringt.

Es ist auch vorgekommenen, das ganze Ortschaften, ohne Verschuldung ihrer Einwohner, arg von dem Zwergenvolk belästigt worden sind, so vorzeiten die Leute in dem Dorfe Sachsa am Harz. Die Unterirdischen, durch Hehl- oder Tarnkappen unsichtbar gemacht, schlichen sich in die Erbsenfelder und Bäckerläden ein und stahlen wie Sperlinge und Dohlen. Da kam ein weiser Mann ins Dorf , der gab den unglücklichen Leuten den Rat: Sie sollten eine Rute von einer Goldweide brechen und damit nachts um zwölf Uhr dreimal durch die Luft schlagen. Wenn dann einer der Diebe in der Nähe wäre, so würde ihm die Hehlkappe vom Kopfe fallen, und sie könnten den Missetäter sehen und greifen.

Ein Mann, der Erbsen auf dem Felde hatte, befolgte diesen Rat, und alsbald erblickte er vor sich einen Zwerg, der sich gar jämmerlich gebärdete. Der Mann fing das Männlein, stellte es vor Gericht und klagte es des Felddiebstahls an. Da hat es vor den gestrengen Richtern mit Seufzen ausgesagt, wie die unterirdischen Gewässer jetzt so groß seien, daß das arme Zwergvolk sich unter der Erde nicht mehr ernähren könne und durch Hunger getrieben werde, sich an den Vorräten der Menschen zu vergreifen. Es versprach auch, wenn es ungestraft davongehen dürfte, so würden alle Zwerge fortziehen, bat um ein Rosenblatt, stippte lauter kleine Löcher hinein und forderte den Richter auf, in das mittelste Loch zu blasen, dann würde sogleich der König des Zwergvolks sich vor Gericht stellen.

Man blies in das Rosenblatt, und siehe: augenblicklich erschien der König. Er erklärte ebenfalls, daß sein Volk fortziehen und keinen Schaden mehr tun würde, wenn er mit dem Gefangenen ungestraft davon gehen dürfte. Dies wurde den beiden erlaubt, und am anderen Tage zog wirklich das Zwergvolk unter den Klängen einer schönen Musik ab, warf auch in Sachsa Goldmünzen aus, die dort noch heute zum Andenken aufbewahrt werden. Dann wanderten die unsichtbaren Scharen über eine Brücke, ein langer, langer Zug, und niemand hat dort Zwerge wieder gesehen. –

Alle Schwarzelben fürchten und hassen das Sonnenlicht und wagen sich nur mit ängstlicher Scheu und Vorsicht auf die Oberfläche der Erde. Und sie haben wohl Ursache dazu: sobald nämlich ein Sonnenstrahl auf sie fällt, verlieren sie das Leben und werden zu Steinbildern. Um sich vor dieser schrecklichen Gefahr zu schützen und zugleich, um von den Menschen nicht gesehen zu werden, bedecken sie ihr Haupt mit Nebel- , Hehl- oder Tarnkappen. Dann sind sie unsichtbar, können sich nach Herzenslust mitten unter den Menschen tummeln, ihnen einen Possen spielen oder sich, wenn sie gereizt worden sind, ungestraft an ihren Peinigern rächen.

Unter den Zwergen gibt es, gerade wie bei den Menschen, Gute und Böse, Treuherzige und Falsche, Rechtschaffene und Betrüger, Freigebige und Geizhälse, ritterlich Gesinnte und niederträchtige Schufte. Aber es scheint so, als wären die Braven in der Überzahl, denn man hat mehr von ihren Wohltaten gehört, als von schlechten Streichen. Im allgemeinen begegnen und dienen sie dem Menschen so, wie er es verdient, und handeln nach der Regel: “Wie du mir, so ich dir.” Der Armen und Unglücklichen nehmen sie sich stets großmütig an, und ganz besonders gütig und freundlich sind sie gegen verwaiste oder verirrte Kinder – man denke an die prächtigen sieben Männlein, in deren Behausung das arme Schneewittchen Zuflucht und Gastfreundschaft fand! Freilich waren die häßlichen alten Burschen bezaubert von der holden Schönheit des Königskindes, ein Zug, der oft bei den Zwergen wiederkehrt und erkennen läßt, daß sie, die das Licht hassen müssen, es doch so gern lieben möchten. Und darum gerade erscheinen sie uns, trotz ihrer äußeren Häßlichkeit, achtungs-, ja, fast liebenswert, denn dadurch wenden sie sich entschieden von ihren rohen Vettern, den Riesen, ab und neigen sich den Menschen und Asen zu.

Vielleicht ist auch ein Teil von ihnen menschlicher Herkunft.

Von den Schwarzelben im dunklen Erdenschoße wesentlich verschieden sind die Lichtelben, die Alfen oder Elfen. Wie schon ihr Name sagt, ist das Licht ihr Element: licht ist ihr liebliches Antlitz, aus Licht und Duft gewoben ihre anmutvolle, sylphenartige Gestalt, licht ihr leichtes flatterndes Gewand, glanzvoll ihre Heimat Lichtalfenheim unter dem weitblauenden Himmel.

In dem Strahlenringe um die Sonne, den Mond und die Sterne erblickte man den Elfenreigen, und neigte man das Auge zu dem Spiegel der Seen, so sah man auch dort die lichtschillernden, kreisenden Ringe. Die hüpfenden Nebel auf den waldumkränzten Wiesen in mondhellen Sommernächten waren nichts anderes, als die flatternden Gewänder und Schleier tanzender Elfenscharen, und aus Busch und Baum vernahm der einsame Wanderer des Elfenkönigs lockenden Gesang:

“Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?

Meine Töchter sollen dich warten schön.

Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn

Und wiegen und tanzen und singen dich ein.”

Die Elfen, als die Sinnbilder des Lichtes und der Schönheit, gehörten mit den Asen und Wanen zu den guten, reinen, heiligen Wesen. Die Isländer nannten sie verehrend Liuflingar, d.h. Lieblinge, und in Schottland hießen sie seely wights: seelige Wesen, weil man glaubte, daß sie, die in Schönheit, Frieden und Seligkeit lebten, auch den Menschen diese Himmelsgaben verleihen könnten. Die Sonne wird der Elfen Bestrahlerin und Dwalins, des Elfenkönigs, Spielschwester genannt.

In naher Beziehung zu diesen Sonnenkindern stand der Lichtgott Freyr, der milde Geber der Fruchtbarkeit. Sein Reich war Alfheim unter dem weitblauenden Himmel, und Freyja, die Göttin der Liebe und Schönheit, war seine Schwester. Von den Elfen, die ja in späteren Zeiten mit den Zwergen vermischt wurden, hatte er sein wunderbares Schiff Skidbladnir erhalten, das gleich den Wolken die am Himmel hinziehen, stets guten Fahrwind hatte. Der Elfen Werk und Geschenk war wohl auch Brisingamen, Freyjas kostbarer Halsschmuck, der an Glanzgefunkel mit den Sternen wetteiferte und der Göttin bezaubernden Liebreiz verlieh.

Ursprünglich waren also die Elfen die Genien der Kunst. Sie, die Kinder des Lichts, sind die Klugen, Sinnreichen, Verständigen; die kleinen schwarzen Schmiedemeister im Dunkel der Erde konnten mit ihren Händen den Ideen der göttlichen Erfinder nur Form und Gestalt geben.

Vom Ursprung der Elfen haben wir keine Kunde; sie sind nicht erschaffen, nicht geboren; sie sind Kinder des ewigen Lebens, der ewigen Wahrheit und des ewigen Lichtes, - hatte Fimbultyr, der große, geheimnisvolle Gott aus hoher Himmelsferne diese lichten Wesen hergesandt, damit sie als seine Boten der jungen Erdenwelt, das Licht der Vernunft, der Weisheit, Güte und Schönheit bringen sollten? –

Ewig, wie Allvater sind auch diese seine lichten Kinder, und in Lichtalfenheim, dem weitblauendem unbegrenzten Äther, werden sie wohnen, denken und dichten, spielen und tanzen, wenn im großen Weltbrande die Erde mit den schuldbeladenen Asen, Menschen, Riesen und Zwergen zugrunde gegangen sein wird. –

Das Licht, ein Sinnbild der Reinheit, Heiligkeit und Schönheit, siegt über die Finsternis, und wer im Lichte bleibt, wie die Elfen, der hat das ewige Leben.



Weltesche und Nornen

Unsere Ahnen stellten sich das Weltgebäude unter dem Bilde eines Riesenbaumes, der Weltesche Yggdrasil, vor. Yggr ist ein anderer Name Odins, drasil , heißt Träger, also bedeutet Yggdrasil wohl Odins Baum.

Die Esche umfaßt die ganze Welt. Ihre drei Wurzeln hatten ihren Ankergrund im urkalten Nifelheim, im Lande der Hrimthursen und in Midgard, wo die Menschen wohnen. Der Stamm des Baumes erstreckte sich von der Erde bis zum Himmel, und seine weitverzweigte Krone breitete sich über Asgard, dem Sitz der Asen, aus.

In dem immergrünen Wipfelwalde weidet die Ziege Heidrun, und wunderkräftig muß wohl ihre Speise sein, denn diese Geiß gibt so viel Met, daß alle Götter und Helden Walhallas sattsam davon zu trinken haben. Auch nährt sich der Hirsch Eikthyrnir von den Blättern, und von seinem Geweih rauschen unablässig Regenschauer herab und füllen in Nifelheim den alten Kessel Hwergelmir, aus dem alle Ströme der Welt entspringen. "Vom Himmel kommt es, zum Himmel steigt es, und wieder nieder zur Erde muß es, ewig wechselnd."

Auf dem Gipfel des Baumes sitzt ein Adler, und zwischen seinen Augen rastet ein Habicht. Vier Hirsche steigen an dem Stamm auf und nieder und beißen die knospenden Triebe ab. An der Wurzel in Nifelheim nagt Nidhögger, der grimmig hauende Drache. Er liegt im Streit mit dem Adler, der auf dem Gipfel horstet. Heftige Drohungen und Schimpfworte stoßen sie wider einander aus, die das hurtig auf- und niederhuschende Eichhörnchen Ratatwisker von einem zum anderen trägt.

Die Hirsche und der Drache mit seiner Sippe arbeiten unablässig an der Zerstörung des Weltbaumes. Sie sind die bösen Gewalten: Schuld und Sühne, Haß und Hader, Neid und Streit, Gift, Krankheit und Tod, die am Leben zehren und die Welt vernichten wollen. Zwischen diesen Mächten der Finsternis und Odins Adler auf dem Gipfel des Baumes, über dessen Sonnenaugen gleich einer schattenden Wolke der Habicht seine Flügel ausbreitet, kann nimmer Friede sein: Licht und Finsternis, Leben und Tod sind unversöhnliche Feinde.

Unter der Wurzel im urkalten Nifelheim befindet sich auch das Reich der Hel, die schauerliche Welt der Todesschatten, wohin die Seelen der Verstorbenen kommen.

Die zweite Wurzel der Weltesche ist in Riesenheim. Unter ihr quillt Mimirs Brunnen, den wir schon kennen.

Aus dem Schoße Midgards, dem Lande der Menschen erhebt sich die dritte Wurzel. Auch unter ihr liegt ein Brunnen: der Nornen- oder Urdsbrunnen. Bei dieser Quelle steht eine hochgewölbte, von heiligen Wasserfluten umrauschte Felsenhalle: das Haus der Nornen, der Schicksalsschwestern. Drei sind dieser Riesenjungfrauen, sie heißen: Urd, Werdandi und Skuld. Ihren Händen hat Allvater, der geheimnisvolle, hohe Gott der Welt, furchtbare Macht anvertraut: Sie haben über die Geschicke der Asen und Menschen, ja, der ganzen irdischen Welt zu beschließen.

Das war nicht immer so. Während langer Zeiträume waren die Asen die Schicksalsmächte. Da spielten sie selig mit goldenen Würfeln, auf denen die heiligen Runen Allvaters geschrieben standen. Damals kannte man weder Leid noch Sorge: reine, ungetrübte Freude herrschte in Asgard und in Midgard. Das war das goldene Zeitalter, die Zeit der Kindesunschuld, der Reinheit und Glückseligkeit. Sie währte so lange, bis die Asen schuldig wurden, bis sie Treubruch und Mord verübten und somit ihre Heiligkeit einbüßten. Da gingen auch die goldenen Runentäfelchen Fimbultyrs verloren; die schuldbeladenen Götter waren nun dem Irrtum unterworfen; in dem durch die Schatten der Schuld getrübten Spiegel ihres Gemütes sahen sie nicht mehr Allvaters freundlich zustimmendes oder ernst abmahnendes Antlitz; in der Seele des Sünders verwirren sich die Begriffe von Gut und Böse, das göttliche Orakel ist verstummt; die schuldigen Asen waren daher weder würdig, noch fähig, die Geschicke der Welt zu lenken – das goldene Zeitalter war für immer dahin.

Da kamen die Nornen, die drei Schwestern riesischer Abstammung. Sie sitzen am Brunnen in der flutüberströmten Halle, ritzen Runen und spinnen und weben die Schicksale der Götter und Menschen. Die mächtigste von ihnen ist Urd oder Wurt, die Norne der Vergangenheit, daher wird auch nach ihr der heilige Brunnen genannt. Ihr Name bedeutet: das Wort, der Gedanke ward durch den Mund der Norne zur Wirklichkeit. Urd ist demnach die Norne, die das Urgesetz ausspricht, durch welches das Schicksal bestimmt wird. Mit dem prophetischen Blick der Begeisterung überschaut sie Vergangenheit und Zukunft, vernimmt Allvaters heiligen Willen und spricht das entscheidende Wort, das ewig unerschütterlich ist.

Der Name ihrer Schwester Werdandi bedeutet das Werdende; sie verwirklicht Urds Ausspruch, läßt die Dinge werden und sich entwickeln, verleiht ihnen Spielraum, sich in der Welt zu entfalten, hat wohl erbarmen mit dem Schwachen und hilft dem Strauchelnden freundlich wieder auf, blickt strenge auf das herrische Gebaren des Stolzen und mitleidig lächelnd auf die ausgelassene Lust übermütiger Jugend; denn sie sieht die Zukunft der vom Schleier der Täuschung befangenen Erdenkinder, blickt bis ans Ende – und kann nur über ihre Verblendung lächeln. Werdandi ist die Norne der Gegenwart.

Die dritte Schicksalsschwester heißt Skuld. In ihrer Hand liegt die Entscheidung; sie ist unerbittlich, gleich der rauhen Notwendigkeit; mit ehernem Griffel ritzt sie die Rune des Todes und spricht mit unerschütterlicher, kalter Entschlossenheit: "Es muß sein!" Skuld, die Norne der Zukunft, kennt kein Erbarmen, wie ihre Schwester Werdandi, keine warme Begeisterung, wie die göttliche Urd; sie trägt wie die Riesen, von denen die drei Schicksalsjungfrauen abstammen ein steinern Herz im Busen, und die Züge ihres Antlitzes sind bleich und hart und kalt wie die des Todes.

Skuld ist es auch, die in den Sagen und Märchen den guten Gaben., welche ihre Schwestern einem Kinde in die Wiege legen, eine böse hinzufügt und dadurch den Segen der beiden anderen in Fluch zu verwandeln trachtet. So wird erzählt:

Als Nornegast geboren war, traten an seine Wiege drei hehre Frauen. Die beiden ersten verhießen dem Kinde Glück und Heil, aber die dritte sprach mit finsterer Gebärde: "Und ich sage: er soll nicht länger leben, als diese Kerze neben der Wiege brennt." Da trat die älteste Norne rasch hinzu, löschte die Kerze aus, überreichte sie der Mutter des Kindes und mahnte: "Hebe sie sorgsam auf und übergib sie später deinem Sohne, damit er sie behüte; denn an ihr hängt sein Leben." – Nornegast wuchs auf und ward ein ruhmreicher Held und Sangesmeister. In seiner Harfe barg er die Kerze, fuhr durch viele Länder und genoß die Freuden des Lebens dreihundert Jahre lang. Da war er wandermüde und lebenssatt. Und der Greis holte die Kerze hervor, zündete sie an und blickte mit milden Augen ruhig und gelassen in die verglimmende Flamme, mit der zugleich auch sein Leben erlosch.

In späterer Zeit sind aus den drei Schicksalsschwestern ihrer mehrere geworden. Im Dornröschen, dem lieblichsten aller Märchen, sind es dreizehn weise Frauen, die an die Wiege des Königskindes kommen. Zwölf waren aber nur zum Feste geladen, und als dieses zu Ende ging, beschenkten sie das Kind mit ihren Wundergaben: die eine mit Tugend, die andere mit Schönheit, die dritte mit Reichtum, und so mit allem, was es auf der Welt Gutes und Schönes gab. Als elf ihre Wünsche ausgesprochen hatten, trat plötzlich die dreizehnte herein: sie wollte sich dafür rächen, daß sie nicht geladen war, und ohne jemand zu grüßen oder nur anzusehen, rief sie auf das Kind zeigend, mit eherner Stimme: "Die Königstochter soll sich in ihrem fünfzehnten Jahr an einer Spindel stechen und tot hinfallen." Sprach´s kehrte um und verließ den Saal. Alle standen bestürzt. Da trat die zwölfte hervor, die ihren Wunsch noch übrig hatte, und weil sie den bösen Spruch nicht aufheben, sondern nur mildern konnte, sagte sie: "Es soll aber kein Tod sein, sondern ein hundertjähriger Schlaf, in welchen die Königstochter fällt". Und so geschah es, trotz aller Vorkehrungen, die der König traf, um das Unheil von seinem geliebten Kinde abzuwenden. Der Nornen Spruch ist unerschütterlich.

Aber nicht nur der Menschen Schicksal liegt in den Händen der drei hehren Schwestern, sondern auch das der Götter und der Welt. Darum kommen die Asen oft zu Urds Brunnen geritten, um bei dem Rauschen der heiligen Quelle Gericht zu halten und dabei wohl auch guten Rat von den weisen Jungfrauen zu erforschen. Und wie bald würde der Weltbaum von seinen grimmen Feinden, die an seinen Wurzeln nagen und seine frischen Triebe abbeißen, vernichtet werden, wenn nicht die Nornen das Werk der Zerstörung hemmten und damit das Fortbestehen der Welt sicherten! Sie schöpfen jeden Morgen Wasser aus der heiligen Quelle und besprengen damit den Baum. Und gleich wie der Himmelstau, der vom Wipfel der Esche in die Täler fällt und das Gras und die Blumen der Erde erfrischt und erquickt, so hat auch die heilige Flut aus dem Nornenbrunnen nährende, erhaltende und verjüngende Kraft: es ist das Wasser des Lebens, der Wunderborn ewiger Jugend, von welchem unsere tiefsinnigen Sagen und Märchen erzählen. Weißt du, was das bedeutet? –

"Die Quelle der Urd liegt unter der Wurzel, die zu den Menschen reicht, sie bedeutet die Geschichte der Menschen, des Menschengeschlechts, aus dem Strome der Überlieferung, der aus der Vorzeit herfließt. Die Geschichte muß dem Volke, wenn auch nur in der Gestalt der Sage, gegenwärtig bleiben; es darf sein geschichtliches Bewußtsein nicht verlieren, wenn es nicht vor der zeit altern soll."

Und diese ernste Mahnung ist auch an jeden Einzelnen gerichtet – so eindringlich, wie Schiller es ausspricht:

"O lerne fühlen, welches Stamms du bist!...

Die angebornen Bande knüpfe fest!

Ans Vaterland, ans theure, schließ´ dich an,

Das halte fest in deinem ganzen Herzen!

Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft!"

Auf dem Wasserspiegel des Nornenbrunnens schwimmen drei schneeweiße, stolze Schwäne die Sinnbilder tragischer Begeisterung. Während seines ganzen Lebens ist der Schwan stumm, aber wenn es zum Sterben geht, da erhebt er seine Stimme und singt ein wunderbares Lied von der Schönheit des Erdendaseins und den schauerlichen Geheimnissen des Todes. Wann werden die weißen Vögel auf Urds heiligem Wasserspiegl ihren Schwanengesang anstimmen? –



Die Hel (Hellia, Hölle)

Verwandt mit den Nornen ist Hel oder Helia, die Beherrscherin des Totenreiches, der Unterwelt: Helheim genannt. Ihr Name kommt von hehlen, unsichtbar machen; sie ist also die verborgene Göttin. Fern von dem Lichte der Sonne liegt auch ihre Wohnung, die Unterwelt. Sie befindet sich in den Tiefen des urkalten Nifelheim, unter der ersten Wurzel der Weltesche, wo der rauschende Kessel Hwergelmir hervorquillt. Hier ist der Ursprung alles Seins und Lebens, und hierhin kehrt es auch wieder zurück; so ist die Göttin der Unterwelt zugleich auch die Mutter alles Lebendigen.

Der Weg nach Helheim ist weit: wenn einer auf einem windschnellen Rosse reitet, so braucht er neun Tage und Nächte, um ans Ziel zu kommen. Dieser Hel- oder Hellweg führt durch die dunklen Täler der Schwarzelben oder Zwerge; man sieht in den Höhlen und Klüften im Erdenschoße ihre Feuer brennen und hört das wackere Hämmern der kleinen Sczhmiedemeister. Aber in den Felsenhallen am Wege wohnen auch grimme Riesen, die den bleichen Pilger nach dem Totenreiche schrecken und bedrohen; die Bösen haben unter den Tücken der Unholde viel zu leiden, über die Guten und Gerechten aber haben sie keine Macht.

Dort, wo hinter Schwarzalfenheim das Reich Helheim beginnt, wölbt sich über den donnernden, schwarzen Strom Slidur die Giöllbrücke, von den Zwergen aus purem Golde gebaut. Schon aus weiter Ferne sieht der Wanderer ihren Strahlenglanz, der böse mit Angst und Grauen, denn er weiß: wer über die Brücke schreitet, der muß alle Hoffnung fahren lassen. Als Wächterin sitzt dort die Jungfrau Modguder, deren Namen Seelenkampf bedeutet; und wahrlich: an diesem Scheidewege leiden die Seelen der bösen Helpilger schreckliche Pein. Scharfen Augen waltet Modguder ihres Wächteramtes, und nur die Schattengestalten Verstorbener läßt sie über die goldene Brücke gehen oder reiten.

Jenseits des schwarzen Stromes liegen die dämmernden Gefilde der Unterwelt, das Reich der Toten, in das niemals ein warmer goldener Sonnenstrahl fällt. Ein hohes festgefügtes Gitter umhegt die weiten Hallen der Hel. Die Pforte ist verschlossen, tritt aber ein Pilger an sie heran, so geht sie von selbst auf und schließt sich auch wieder hinter dem neuen Gaste. Ist dieser auf Erden ein guter Mensch gewesen, so mag er getrost über die Schwelle schreiten, es kann ihm nichts geschehen; denn die Göttin der Unterwelt ist gerecht; sie belohnt und straft jeden nach seinem Verdienst: dem Guten erscheint sie freundlich und milde, aber dem Bösen als eine unerbittliche, grausame Rächerin.

In Hels Hause sind viele Wohnungen. Da gibt es reichgeschmückte Hallen, in denen goldene Tische und Bänke stehen. Dort ergehen sich die Guten im Gespräch mit ihren Freunden, sitzen nieder auf das schimmernde Gestühl, langen nach den metgefüllten Goldbechern und trinken Minne und treues Gedenken ihrer Geliebten, die noch droben im Lichte der Sonne wandeln.

Doch nicht allen Gästen Hels fällt ein so mildes Los. Wer im Leben ein Bösewicht gewesen, den weist die strenge Göttin in die Halle der Schrecken und Pein. Dort ist es finster, und ein reißender Strom wälzt dort seine schlammigen Wogen, in den scharfe Schwerter durcheinander gewirbelt werden. In ihn werden die Verdammten hineingetrieben, und sie werden von den kreisenden Fluten niedergerissen und übel zugerichtet von dem scharfen Eisen. Wehe, wer in dieser Schlammhölle waten muß!

Eine andere Halle ist mit giftigen Schlangen bedeckt. Die Köpfe des scheußlichen Gezüchts blicken mit den boshaften Augen alle in den Saal hinab, und sie speien ätzendes Gift auf die unglückseligen Menschen, die dort umherschleichen und stöhnen und wimmern, daß es Mark und Bein durchdringt.

Die schlimmsten Verbrecher: die Ehrabschneider, Wucherer, Geizhälse, Meineidige und Mörder, kommen gen Nastrand, wo Nidhögger, der heftig hauende Drache, mit seiner Sippe haust. Wer dort eingehen muß, der ist wohl sehr zu beklagen!

Ein nachtschwarzer Hahn lebt in Helheim. Dereinst, wann die Schwäne in Urds Brunnen den Schwanengesang anstimmen werden, wird auch er seine Stimme erheben und krähen. Dann tun sich die Pforten der Unterwelt auf, und alle Leiden der Verdammten haben ein Ende.



Jörmungander, die Midgardschlange

Verwandt mit dem Drachen Nidhögger ist die Midgardschlange, die auch als eine Tochter Lokis und Schwester der Hel und des Fenriswolfes bezeichnet wird. Sie wurde von den Riesen aufgezogen und war gleich ihren unholden Pflegern von Jugend auf eine böse Feindin der Asen. Odin, dessen Sonnenauge alles durchdringt, erblickte das Ungetüm in Riesenheim und sandte die Götter hin, es vor sein Angesicht zu holen. Auf den ersten Blick erkannte er die feindliche Gesinnung der Schlange, und er packte das Untier und schleudert es von Asgards Höhen in das Weltmeer hinunter.

Aber die Schlange ertrank nicht in Meere, sondern erwuchs darin zu so riesiger Größe, daß ihr Körper wie ein Ring alle Länder der Erde umspannt und sie sich in den Schwanz beißen kann. Schrecklich ist sie anzuschauen; selbst hartgemute Riesen erbleichen bei ihrem Anblick vor Grauen und Entsetzen. Ihre Kraft ist unermeßlich: wenn sie sich ringelt, reckt und streckt, dann schlägt das Meer hohe Wellen und die Schiffe kommen in große Gefahr; wird aber ihr Zorn aufgestachelt, so peitscht sie mit dem Schwanze furchtbar die Flut; dann wütet und brüllt die See wie ein rasendes Ungeheuer; haushohe Wogen türmen sich auf und stürmen schäumend gegen den Wall an, den gütige Asen zum Schutze am Strande erbaut haben; Midgard wird weithin überschwemmt, und Menschen und Tiere finden den Tod in den tosenden Fluten.

Einst, am Ende der Welt, wann alle Unholde zum Kampfe wider die Asen schreiten, wird der Wurm so schrecklich wüten, daß das Meer die ganze Erde verschlingen wird. Aber in der letzten großen Schlacht auf Wigrids weiter Ebene wird der gewaltige Donnerer Thor mit wuchtigen Hammerhieben dem Ungetüm das Haupt zerschmettern.



Fenriswolf

Mit der Midgardschlange wuchs auch ihr Bruder, der Wolf Fenrir, in Riesenheim auf. Die Asen besorgten, er werde, groß und stark geworden, sich mit den Unholden zu ihrem Verderben verbünden, darum holten sie ihn nach Asgard. Dort erlangte er bald so ungeheure Größe und Kraft, daß selbst die mächtigen Götter sich vor ihm fürchteten. Tyr allein, der tapfere Kriegsgott, scheute sich nicht, dem Untier das Futter zu reichen.

Immer mehr wuchs der Wolf: wenn er das Maul aufsperrte, so berührte der Oberkiefer den Himmel und der Unterkiefer die Erde, und wenn er vor Hunger oder Wut brüllte, so befiel Angst und Grauen alle lebenden Wesen. Was war zu tun - sollte man das Untier frei umhergehen lassen, bis keine Macht mehr es überwältigen könnte? -

Odin, der fürsorgende Vater der Götter und Menschen, dachte anders, und er berief die Asen zur Beratung. Außer Loki, der sich längst insgeheim den Mächten der Finsternis zugesellt und Midgardschlange und Fenriswolf erschaffen hatte, kamen alle Götter zur Versammlung in die Gerichtshalle und setzten sich auf die goldenen Stühle. Ihrer waren elf, meist Allvaters Söhne, alle reich an Macht und Weisheit.

Und Odin hub an und sprach mit tiefem Ernst und sorgenvoller Stirn: “Meine Freunde und Söhne, ich habe euch hierher geladen, damit wir beraten, wie der schreckliche Fenrir unschädlich zu machen und die Welt vor dem ihr durch den Wolf drohenden Unheil zu behüten sei.”

Da antwortete der Riesenbezwinger Thor:” Ich will hingehen und ihn mit meinem Hammer erschlagen.”

“Nicht also,” erwiderte Odin abwehrend. ” Asgard ist eine heilige Freistatt und darf nimmer durch das Blut dessen, den wir gastlich bei uns aufgenommen haben, entweiht werden.”

"So lasset uns ihn, gleich seiner Schwester, der Midgardschlange, von Asgards Höhen hinabstürzen," riet der rauhe Wintergott Uller.

Das deuchte manchem wohl gesprochen; allein Forseti, der Weise und Gerechte, entgegnete: “Ich glaube doch nicht, daß ihm der Sturz viel schaden könnte, und er ginge dann voll Ingrimm zu den Riesen und brütete mit ihnen schlimme Rachepläne wider uns.”

“Forseti hat weise gesprochen,” sagte Odin. “ Mein Rat ist: lasset uns den Unhold mit unzerreißbaren Stricken binden.”

Diesem Vorschlage Allvaters pflichteten alle Asen bei, nur wußten sie nicht, ob es gelingen würde, dem Wolf die Fessel anzulegen.

“Wir müssen den eitlen Toren mit schlauen Worten überlisten, ihm sagen: er könne nimmer berühmt werden, wenn er nicht eine Probe seiner großen Kraft ablegt,” sagte Odin. Und er rief seinen raschen Boten Hermut heran und sprach zu ihm: ” Eile nach Walhall und hole die Kette Läding; bring auch Droma mit, die weit stärkere Fessel! Ich sollte doch wohl meinen, der Wolf wird weder Läding, noch Droma brechen können.”

Hermut holte die Fesseln; sie waren dick und stark, und Odin hielt sie empor und rief:

“Versucht es einmal, ihr Asen, diese Ketten zu zerreißen! Den will ich wahrlich einen kraftvollen Recken heißen, der Läding oder Droma zersprengen kann.”

Einer nach dem anderen machte die Kraftprobe; doch gelang es keinem, die Fesseln zu brechen. Zuletzt versuchte sich auch Thor daran, aber auch seiner gewaltigen Stärke spotteten die Ketten; und er gab sie aus der Hand und rief grimmgemut: ” Beim Hammer! Es gehört mehr als Asenkraft dazu, Läding und Droma zu brechen!” -

Als der Wolf die Götter kommen sah, dachte er sogleich, sie möchten wohl Arges wider ihm im Schilde führen, und er stand auf und öffnete drohend den Rachen. Odin aber sprach zu ihm: “ Fenrir, du bist übermächtig an Größe und Kraft und hast doch bisher weder Ruhm, noch Ehre erworben. Wohlan denn, laß dich binden mit dieser Fessel und zerreiße sie, damit man sage: ` Fenrir ist wahrlich an Stärke groß, denn er hat Läding spielend zerbrochen.´

Wenig traute der Wolf diesen schlauen Worten, doch stachelten sie seine eitle Ruhmbegier, und er blickte die Kette prüfend an. Wohl schien sie ihm dick und stark, aber im Gefühl seiner Riesenkraft nickte er zustimmend und ließ sich binden. Kaum spürte er die Kette an seinen Gelenken, da reckte und streckte er seine Glieder, und die Fessel zersprang in Stücke.

Darob erschraken die Asen und standen bestürzt und sprachlos. Odin faßte sich zuerst und sprach: “Fürwahr, Fenrir, deine Kraft ist groß: Läding hast du mit leichter Mühe zerbrochen; weit größeren Ruhm aber könntest du noch gewinnen, wenn du auch diese Kette zerreißen wolltest; denn Droma ist stärker als Läding.”

Der eitle Unhold betrachtete die zweite Fessel und dachte bei sich, er könne wohl auch diese bezwingen. So nickte er denn wieder, und in die Götter atmeten auf, denn sie glaubten, nun sei Fenrirs Schicksal besiegelt. Aber bald sollte ihre Hoffnung zuschanden werden: der Wolf spürte wohl die größere Stärke der Kette, aber er wandte seine ganze Kraft an Droma, und auch diese Fessel zerbrach.

Da frohlockte der Unhold, die Asen aber gingen kleinlaut von dannen und setzten sich wieder auf die Richterstühle, um besseren Rat zu ersinnen. Weit berühmt war die Schmiedekunst der Zwerge, von ihr erwartete man Hilfe in dieser Not. Und Odin ließ Freyrs Diener Skirnir rufen und sprach zu ihm: Sattle mein Grauroß, Skirnir, und reite nach Schwarzalfenheim. Und also sollst du sagen zu Iwaldis kunstreichen Söhnen: `Das läßt euch Odin, der Mächtige, vermelden: Dafern ihr seine und aller Asen Gunst nicht einbüßen wollt, so schmiedet ihm eine Kette, welche sich durch keine Kraft zerreißen läßt.´”

Skirnir schwang sich auf Sleipnirs Rücken, jagte wie die windgepeitschte Wolke nach Schwarzalfenheim und brachte den Zwergen Allvaters Botschaft. Das war ein schwieriger Auftrag; aber die klugen Meister wußten Rat: Aus sechserlei Dingen schufen sie ein unzerreißbares Zauberband: aus dem Bart der Weiber, dem Schall des Katzentrittes, der Stimme der Fische, dem Speicher der Vögel, den Sehnen der Bären und aus den Wurzeln der Berge. Dies Band war so dünn und weich wie ein feines Seidenband, und die Meister nannten es Gleipnir und sandten es Odin.

Sogleich berief Allvater die Asen; alle bewunderten das Meisterwerk der Zwerge und begaben sich damit zu dem Wolfe.

"Höre, Fenrir, ”hub Odin an , “ deine Kraft ist über die Maßen groß, denn du hast Läding und Droma gebrochen. So laß dich nun auch fesseln mit diesem dünnen Bande, damit du es zerreißest und dein Ruhm durch alle neun Welten erschalle!”

Der Wolf sah sich Gleipnir an und schüttelte ablehnend sein unförmiges Haupt, denn er ahnte eine List und fürchtete, bei dieser dünnen Fessel möchte wohl Zauberei im Spiele sein.

Da sagte Odin aufreizend: “Du handelst übel, Fenrir; denn fortan wird man spotten: Des Wolfes Mut ist wahrlich nur klein, aber groß seine Feigheit.`”

Da schäumte der Unhold vor Wut und brüllte: “Ihr wollt mich verderben, arglistige Asen, darum schelltet ihr mich feige! Aber wohlan: ist einer unter euch mutig genug, seinen Arm als Unterpfand ehrlichen Spieles in meinen Rachen zulegen, so will ich mich binden lassen; kann ich Gleipnir nicht zerreißen, so beiße ich den verpfändeten Arm ab.”

Das hatten die Asen nicht erwartet, und alle standen betroffen schwiegen.

“Ha,” rief der Wolf, “da sieht man wohl, wer mit Recht feige gescholten werden kann!”

Da trat der tapfere Kriegsgott Tyr hervor und sprach entschlossen: “Spare deine Worte, Fenrir, hier ist das Unterpfand!”

Sprach´s, reckte seinen Arm aus und legte ihn dem Untier in den Rachen.

Nun wurde der Wolf gefesselt, und er spannte seine ganze Kraft an, um das dünne Band zu zerreißen; aber es gelang ihm nicht; je mehr er dagegen ankämpfte und wütete, desto enger und straffer schnürte es sich um seine Glieder zusammen. Als das die Asen sahen, lachten sie; nur einer lachte nicht, und das war Tyr, denn er verlor seinen Arm.

Fürchterlich heulte der Wolf und schnappte wütend nach seinen Bezwingern; aber sie stießen ihm ein Schwert in dem Rachen, daß ihm das Maul gesperrt ward, und es floß so viel giftiger Schaum aus seinem Schlunde, daß daraus ein Fluß entstand, welcher Wan genannt wurde.

Die siegreichen Asen schleppten nun den gefesselten Unhold nach Midgard, wanden das Seil um einen ungeheuren Felsblock und versenkten diesen tief in den Grund in der Erde. Allda liegt der Wolf in Banden bis an den letzten Tag; dann wird er die Kette brechen und furchtbare Rache nehmen. -



Die Wanen

Außer den Asen kannte man in Germanien noch ein anderes Göttergeschlecht: die Wanen, d.i. die Schönen. Diese wurden vornehmlich von den meeranwohnenden suevischen Völkern verehrt; ihr Hauptsitz war jedoch im heutigen Schweden bei den ingävonischen und gotischen Stämmen.

Der Name Wanen ist verwandt mit unserem Worte Wahn - wähnen (glauben) - und auch mit Wonne; doch kann er auch schön bedeuten. Sonach erkennen wir in den Wanen die Götter des Gemüts, des Friedens, der Liebe und der Schönheit. Ihr Oberhaupt war der schöne, gütige Meeres- und Wagengott Njörd, seine Gemahlin jene heilige Erdmutter Nerthus, deren Dienst “auf einer Insel des Ozeans” uns Tacitus im vierzigsten Kapitel seiner “Germania” so schön schildert. Die Kinder dieses hohen Götterpaares waren Freyr und Freyja. Der deutsche Name für Freyr lautet Frô, was mit fruchtbar, fröhlich und freudig verwandt ist. Er ist der Gott der schönen Jahreszeit, der Spender der Fruchtbarkeit und der Freude. Seine Wohnung heißt Alfheim, sie liegt unter dem weitblauenden Himmel bei den Lichtelfen; denn ohne das Licht kein Frühling, kein Wonnemond, keine Fruchtbarkeit.

Aus Wanaheim kamen die belebenden Lenzeswinde, die milden Lüfte, welche die schöne Jahreszeit, die im Winter gestorben war, wiedererwecken. Es sind also die Wanen die Geber der Blüten und der Frucht, des häuslichen Glückes und Wohlstandes, des Friedens und der Freude. “Die Summe ihrer Wirksamkeit für den Menschen ist ein behagliches Leben in Fülle und Frieden, Milde und Freundlichkeit.” Waren die Asen die Träger und Säulen der Welt, so kam von den Wanen alles, was das Leben mit Reiz und Anmut schmückt und das Herz mit Wonne und Glückseligkeit erfüllt. Wie trostlos arm und trübe, farblos und kalt wäre die Welt ohne Freyja, die Göttin der Schönheit und Liebe! Gerade diese Wanen bezeugen, daß unsere waffengewaltigen Vorfahren die milderen Regungen des Gemüts und die holden Reize der Anmut und Zärtlichkeit wohl zu schätzen wußten, und selbst ein von Heldentaten erfülltes Leben dünkte ihnen schal und leer, wenn es nicht von der Wärme der Liebe durchhaucht und von der Schönheit lichtem Zauberglanz verklärt wurde.

Aus uns nicht bekannter Ursache entbrannte ein Krieg zwischen Asen und Wanen, der erste große Weltkrieg der Urzeit, der wohl schrecklich gewesen sein muß, denn es heißt in dem alten Liede:

“ Gebrochen war der Burgwall der Asen,

Schlachtkundige Wanen stampften das Feld.

Odin schleuderte den Spieß über das Volk:

Da wurde Mord in der Welt zuerst.”

Beim Friedensschluß wurden Geiseln ausgewechselt: die Asen gaben als Geisel Odins Bruder Hönir, die Wanen den Njörd mit seinen Kindern Freyr und Freyja. So kamen diese drei Wanengötter zu den Asen und wurden fortan ganz als ihresgleichen angesehen; ja, sie waren die Zierden des alten Göttergeschlechts, und durch ihre Mitwirkung entstand der Begeisterungstrank der Dichter, dem allein wir diesen herrlichen Sagenschatz zu verdanken haben. -



Welten und Götterburgen

Nach der Vorstellung unserer Ahnen gab es im weiten All neun Welten oder Heime, die sich, mit Ausnahme von Muspelheim, im Bereich der Weltesche Yggdrasil ausbreiteten. In der Mitte des unbegrenzten Raumes hatten die Asen Midgard, das Heim der Menschen, gegründet und um diese Erdenwelt kreisrund das Meer gelegt. Jenseits der See, nach Osten hin, erstreckte sich das rauhe Jötun- oder Riesenheim mit Mimirs Brunnen. Unter der Erde befand sich Schwarzelbenheim, das dunkle Land der Zwerge. An dieses grenzte, in noch größeren Tiefen gelegen, Helheim, das Schattenreich der Todesgöttin. Diesem benachbart war im eisige Norden Nifelheim, wo, von trüben Nebeln umwallt, der alte Kessel Hwergelmir sprudelte und Nidhögger, der heftig hauende Drache, grimmig an der Wurzel der Weltesche nagte. Dieser schauerlichen Eiswelt gerade entgegengesetzt lag fern im Süden das Flammenreich Muspelheim, beherrscht von dem schwarzen Urweltriesen Surtur.

Die drei anderen Welten sind Götterheime oder doch Sitze göttlicher Mächte; sie lagen in dem weiten Raum zwischen Himmel und Erde. Midgard am nächsten, vielleicht noch auf seinem Grunde, befand sich nahe dem Meere Wanaheim, das Reich der schönen Götter, und über diesem, im lichten Äther unter dem weitblauenden Himmel, schwebte das strahlende Lichtelfenheim. Der Sonne nicht fern, unter dem immergrünen Wipfel der Weltesche, ragte die herrlichen Götterstadt Asgard in goldigem Glanze empor; in ihr wohnten, alles überschauend, die Asen.

Wir wissen: ursprünglich hatte es nur drei Asen gegeben: die Brüder Odin, Hönir und Loki. Im Laufe der Zeiten waren dann mehrere Götter und Göttinnen hinzugekommen, meist Söhne und Töchter Allvaters, dazu an Stelle des Hönir die drei Wanen Njörd, Freyr und Freyja. Dies sind die Namen der herrschenden Götter:

Odin, Thor, Tyr, Balder, Njörd, Freyr, Widar, Heimdall, Bragi, Hödur, Wali, Uller, Forseti, Loki.

Die vornehmsten Göttinnen waren:

Frigg, Freyja, Sif, Nanna, Gerda, Idun, Skadi, Saga.

Die meisten dieser Asen besaßen in dem herrlichen Götterheim Asgard eine prächtige Wohnung, die schönste und größte, wie sich´s geziemte, Odin, der Vater der Götter und Menschen. Gladsheim (Glanzheim) heißt sein hohes Haus; es ist mit silbernen Schilden gedeckt und strahlt weithinleuchtenden Glanz aus. Die Pforten und Säulen sind von Gold, ebenso die Geräte in den vielen prächtigem Sälen. Der größte Saal darin heißt Walhalla, ihm kommt an Raum und Pracht kein anderer in Asgard gleich. In einem überdachten Hofe stehen zwölf goldene Stühle; dort versammelten sich die Asen, wenn sie Gericht halten wollen. Über Gladsheim, in der Krone der Weltesche, ist Odins Hochsitz Hlidfkialf; läßt sich Allvater auf diesem Throne nieder, kann er mit seinem Sonnenauge alle Welten überschauen. Das Haus seiner Gemahlin heißt Fensal; daneben steht Wingolf, die prächtige Halle, in welcher sich die Göttinnen zu versammeln pflegen. Oft weilt auch Odin in Sagas Felsengrotte Sökkwabek (Sturzbach); sie wird von kühlen Wasserfluten überströmt, und Odin und Saga trinken da selig aus goldenen Schalen der Vorzeit uralte Weisheit. -

Nächst Gladsheim ragt Bilskirnir (jäh aufleuchtend), das Haus des mächtigen Donnerers Thor, durch seine gewaltige Größe vor allen anderen hervor. Es steht auf Thrudheims oder Thrudwangs wolkigen Höhen und hat 540 Stockwerke, die sich übereinander erheben, wie im Hochgebirge Fels auf Felsen sich türmt.

Eine andere hochragende Burg heißt Walaskialf. Sie ward von Odin oder seinem blinden Sohne Hödur erbaut. Als dieser von Wali erschlagen worden war, bezog der junge Sieger das Haus des Gefallenen und nannte es nach seinem Namen Walaskialf.

Andere berühmte Burgen in Asgard waren:

Breidablick, Balders friedevolles, lichtes Heim;

Glitnir, die glänzende, worin Forseti seines Richteramtes waltete;

Landwidi, des schweigsamen Widars stilles Waldhaus;

Ydalir unter den dunklen Eibenwipfeln, worin der hurtige Schlittschuhläufer und Bogenschütze Uller seine Pfeile schnitzte;

Folkwang, der schönen Freyja weiträumiger Palast, und

Himinbiörg (Himmelsburg) an der unteren Grenze Asgards, wo Heimdall, der scharfgeäugte Wächter des erhabenen Götterreiches, seinen Sitz hatte. -

Herrlich vor allen neun Welten ist Asgard. Über der erhabenen Götterstadt wölbt sich die Krone der Esche Yggdrasil, und durch das immergrüne Blätterdach blickt des Himmels lichte Bläue und der Sonne strahlendes Antlitz lächelnd hindurch. Da stürzen Ströme mit Donnergetöse von Thrudheims Höhen herab, und unter geheimnisvollem Rauschen rollt Sagas heilige Flut durch dämmernde Schatten dahin. Glasir, der goldene Wald vor Odins Palast, schimmert in leuchtender Pracht, und wenn einer der Götter unter seinen Wipfeln lustwandelt, so klingen Zweige und Blätter in zaubersüßer Musik. Da liegt das grasbedeckte, sonnige Idafeld, wo in Reinheit und Unschuld die Asen mit goldenen Würfeln heiter spielten. Das ist das Land, von dem der große Dichter Friedrich Schiller, aus sehnsuchtsvoller Seele singt:

“Dort erblick´ ich schöne Hügel

Ewig, jung und ewig grün!

Hätt´ ich Schwingen, hätt´ ich Flügel

Nach den Hügeln zög ich hin.



Harmonien hör´ ich klingen

Töne süßer Himmelsruh,

Und die leichten Winde bringen

Mir der Düfte Balsam zu.



Goldne Früchte seh ich glühen,

Winkend zwischen dunklem Laub,

Und die Blumen, die dort blühen,

Werden keines Winters Raub.



Ach, wie schön muß sich´s ergehen

Dort im ew´gen Sonnenschein!

Und die Luft auf jenen Höhen –

O, wie labend muß sie sein!



Du mußt glauben, du mußt wagen,

Denn die Götter leih´n kein Pfand

Nur ein Wunder kann dich tragen

In das schöne Wunderland.”



Bifröst, die Regenbogenbrücke

Als die Götter Asgard erbaut hatten, wölbten sie eine Brücke von ihrem Heim nach Midgard hinunter und hießen sie Bifröst (die bebende Rast); Menschenkinder nennen sie Regenbogen. Über dieselbe reiten, fahren und wandeln die Asen hinab zu den Menschen, und die in Kampfe gefallenen Helden Midgards sprengen auf schnaubenden Walkürenrossen darüber gen Walhalla.

Drei Farben hat Bifröst; das Rote darin ist glühendes Feuer, damit nicht jeder, den es gelüstet, darüber hinschreiten könne: unholde Riesen würden Asgard erstürmen, wenn sie Bifröst ersteigen dürften. Am oberen Brückenkopf, steht Himinbiörg, die Burg, worin Heimdall wohnt, der Wartmann Asgards. Wenn Gefahr droht, hebt er das Giallarhorn und stößt mit Macht hinein; Dann springen alle Asen auf und greifen zu den Waffen. Sehr fest gefügt ist Bifröst; doch wenn am Ende der Tage der Feuerriese Surtur mit seiner flammenden Heerschar darauf emporstürmen wird, dann wird die Regenbogenbrücke krachend zusammenbrechen. -



Walhalla, Walküren und Einherier

Der größte Saal in Odins Burg Gladsheim, wie überhaupt in Asgard, hieß Walhalla. Er hatte 540 Tore, jedes so breit, daß 800 Kriegsmannen zu gleicher Zeit in guter Ordnung durch dasselbe aus- oder einziehen konnten. Über der Haupteingangspforte, an der Westseite, hängt eine Wolf, und über ihm schwebt mit ausgebreiteten Flügeln ein Adler und droht mit Krallen und Schnabel. Walhalla ist das herrlichste Gebäude der Welt “innen, und außen von schierem Golde, mit blitzenden Goldschilden gedeckt und mit goldenen Speerschäften getäfelt”. An den Wänden hängen glänzende Waffen aller Art, die Säulen sind mit Schilden geschmückt, und auf den Bänken liegen anstatt weicher Polster blinkende Harnische. Von dem Golde an den Wänden und der Decke und von Schwertern, Speeren, Panzern und Schilden strahlt so viel Licht und Glanz aus, daß es keiner anderen Beleuchtung bedarf; keine würde auch die Gestalten, welche sich in der Halle bewegen, so zauberhaft umspielen und verklären, wie dies wundersame rotschimmernde Goldlicht.

Und an Gästen mangelt es nimmer in Siegvaters Saal. Da sitzen an den Tischen vieltausend narbengeschmückte Recken; jeder von ihnen war auf Erden ein Held und ist im Kampf gefallen. Wer den “ Strohtod” d.h. im Bett, starb, der kam nicht nach Walhalla, der mußte nach Hellias Schattenreich pilgern. Derhalben scheuten unsere tapferen Vorfahren nichts so sehr, als im Siechtum unrühmlich zu sterben; lieber brachte der hoffnungslos Kranke sich selbst mit dem Schwert die tödliche Wunde bei und sah voll erhabener Ruhe und Heldenfreude sein Lebensblut verrinnen, hoffend, daß Odin ihn nun doch in Walhall aufnehmen werde. So der alte, weise König Ring in der Frithjofsage, als er das Nahen des Todes fühlte:

“Nun schnitt er mutig

Runen für Odin,

Runen des Todes auf Brust und Arm;

Sah dann: wie herrlich

Aus silbernem Borne

Blut ihm und Leben verströmte so warm.”



Dann, aus dem Grabe wieder auferstanden, reitet der alte Held in herrlicher Waffenrüstung gen Asgard; und als unter den Hufen seines Rosses die Regenbogenbrücke donnert und bebt, springen die Pforten Walhallas auf, und er darf eintreten in Siegvaters Saal. Von seinem Hochsitz winkt Odin ihm huldvoll zu und läßt ihn durch seine Schildmädchen, jetzt liebliche, weißarmige Schenkinnen, den Willkommenstrunk reichen; Freyr und Frigga treten herzu und begrüßen den edlen Gast und schmücken seinen Helm mit Ähren und blauen Blumen; Freyja, an die goldene Tafel gelehnt, winkt mit weißer Hand, und Bragi, der langbärtige göttliche Sänger, greift in die Saiten der Harfe und singt:



“Willkommen, weiser Walhalla-Erbe!

Lang noch im Norden lebt dein Ruhm.

Bragi begrüßt dich und bringt dir das Trinkhorn,

Friedbote der Nornen, nahend vom Nord!”



So werden alle Helden, die in der Schlacht gefallen sind, droben in Walhalla aufgenommen. Sie sind Odins Auserwählte, seine Einherier (Einzelkämpfer), berufen, unter dem Sonnenauge Heervaters der Freuden viele zu genießen und dereinst im letzten großen Weltkampfe unter seinem Banner wider die Unholde der Vernichtung zu streiten.

Wie hätten da die tapferen Männer und Jünglinge nicht freudig in die Schlacht und in den Tod gehen sollen! Heißer, blutiger Männerstreit war ja ihre höchste Lust, und das Klirren und Klingen der Waffen ihrem Ohre süßeste Musik. Und wo in der Welt gab es dieser Heldenfreude so reiche Fülle und hohe Art, wie in Wodans waffenprangendem Hause! Nicht ein Tag vergeht dort ohne Schwertgeklirr und Schildgekrach auf blutbesprengter Walstatt. Wenn morgens in der Frühe Goldkamm, Walhallas Hahn, mit weitschallender Stimme kräht, springen die tausendmaltausend Schläfer vom Lager, legen unter Scherz und Lachen Helm und Panzer an, umgürten sich mit ihrem guten Schwerte, nehmen Schild und Speer zuhanden und schwingen sich hurtig auf die stampfenden Rosse. Drauf sprengt der Troß aus Walhallas Toren und reitet in geordnetem Heereszuge auf den weiten Kampfplatz. Dort beginnt alsbald ein fröhliches Tummeln und Streiten, und schon aus der Ferne vernimmt man Rossegestampf, lauten Anruf, wildes Kriegsgeschrei und scharftönendes Eisengeklirr. Da wogen die Streiter wild durcheinander, schleudern mit Macht die Speere und hauen mit den Schwertern drein, daß die Schilde krachen und splittern und Feuerfunken aus Goldhelmen und Brünnen stieben. Da wird manch gutes Roß über den Haufen geritten, und ruhmreiche Kämpen sinken betäubt und todwund in den Sand.

Und Odin sprengt heran auf seinem herrlichen Hengst; der Goldhelm deckt sein Haupt, Brust und Leib schirmt die strahlende Brünne, in der Linken hält er den gewaltigen Spieß Gungnir, die beste Kriegswaffe der Welt. Ihrem Höchstem folgen Götter und Göttinnen und stellen sich, von jauchzenden Zurufen der Einherier begrüßt, hinter den Schranken auf, um dem Kampfe zuzuschauen. Nun hebt erst recht ein herrliches Streiten an, und Odin freut sich des Kampfes, ehrt die größten Helden durch huldvolle Ansprache und läßt ihre Helme mit Eichenkränzen schmücken, die die weißen Finger der Göttinnen gebunden haben.

Sind und die Kampfspiele auf Odins Wink zu Ende, so stehen die Verwundeten und Toten heil und gesund wieder auf, besteigen ihre Rosse und reiten mit den anderen fröhlich und friedlich feiern: keiner gedenkt noch der Schläge, die er von seinem Gegner erhalten, keiner sinnt auf Rache. Schon steht in Walhalla das köstliche Mal bereit; die holden Schenkmädchen öffnen den heimkehrenden Helden die Pforten, nehmen ihnen Schilde und Spieße, Helme und Panzer ab und hängen das Gewaffen an den Wänden und Säulen auf; die tapferen Mannen aber setzen sich zu Tische und langen durstig nach den mit schäumendem Met gefüllten Trinkhörnern, die die weißarmigen Mädchen mit anmutigem Lächeln ihnen reichen. Dann laben sie sich an kräftig duftendem Schwarzwildbraten, der von den holden Dienerinnen in unerschöpflicher Fülle aufgetragen wird.

So köstlicher Bewirtung erfreuen sich die Einherier Tag für Tag. Jeden Morgen wird Sährimnir, ein gewaltig großer Wildeber, auf der Jagd erlegt, gebraten und den Helden Walhallas vorgesetzt; abends aber läuft das Tier wieder heil und frohgemut in den Wald zurück. Den Met liefert die Ziege Heidrun, die in dem Wipfel der Weltesche weidet. Ihre schäumende Milch, womit alle Morgen ein Riesenfaß gefüllt wird, hat die Wunderkraft, jedem, der davon trinkt, seine eigene Art (Heit) zu erhalten, daher führt die Ziege den Namen Heidrun, d.i.: die Art-erhaltende Rune.

Auch Odin nimmt teil an Walhallas Tafelfreuden; aber er labt sich nur an herzerfrischendem Trank; das Fleisch, von der holdesten Schildjungfrau ihm dargeboten, gibt er seinen beiden Wölfen Geri und Freki, die zu seinen Füßen liegen – “da nur von Wein der waffenhehre Odin ewig lebt”.

An der Tafelrunde der Götter und ihrer Gemahlinnen waltet die holdanlächelnde Freyja des Schenkamts, und man kann sich vorstellen, mit welcher Anmut die schöne “Wanadis” den hohen Gästen den Goldbecher darreicht. Freyja ist auch die Königin der Walküren.

Wenn in Midgard Krieg auflodert, verwandeln sich die lieblichen Schenkmädchen Walhallas flugs in Schildjungfrauen, indem sie blinkendes Rüstzeug anlegen, sich auf ihre feurigen Renner schwingen und mit fliegenden Haaren windschnell durch die Lüfte dahinsausen. Von ihren Goldhelmen und Harnischen geht blendender Glanz aus, und Sonnenstrahlen brechen aus ihren Speeren und Schilden. Dann schallt´s im Lager der rastenden Streiter:



“Erwacht! In den Wolken

Ist Waffengetümnmel!

Erwacht! Es gewittert

Als wiehern Rosse,

Walkürien kommen

Zum Kampf geflogen

In glänzenden Brünnen,

Von Brautlust glühend.

Sie lenken herunter

Die lustigen Renner

Um Tapfre zu kiesen

Mit tötendem Kuß.”



Ja, unter dem Kuß der holden Schildjungfrau Odins entschlummert der gefallene Held – ein friedlicher, wunderseliger Tod! Und er währt nur kurze Zeit; denn mit kraftvollen Armen hebt die Walküre den Schläfer zu sich auf Rosses Rücken und sprengt mit ihrer kostbaren Beute in sausendem Fluge nach Walhalla. Dort erwacht der held zu neuem Leben und tritt in Jugendschönheit und mit glückstrahlenden Augen ein in Siegvaters Saal zu der Schar der ihn jubelnd begrüßenden Einherier.

Die Walküren verwandeln sich auch bisweilen in Schwäne, oder sie schlüpfen in ein Schwanengewand und flogen dann gleich dem schönen, stolzen geheimnisvollen Vogel, in dessen Kleid sie sich bargen, noch schneller durch die Lüfte, als auf ihren grauen Wolkenrossen. Als Schwanenjungfrauen gleichen sie tragischen Musen, die auf den Untergang der siegreichen Helden deuten. In dieser Verkleidung suchten sie wohl gern einen einsamen blauen Waldsee auf, warfen das Federhemd ab und sprangen ins Wasser, um darin zu baden. Gelang es einem Menschen, unbemerkt heranzuschleichen und sich der weißen Gewänder zu bemächtigen, so waren die Mädchen in seine Gewalt gegeben und mußten seinem Willen gehorsam sein.

So ertappten Meister Wieland und seine Brüder am Wolfssee die drei badenden Walküren Allwitt, Alrun und Schwanwitt und führten sie als ihre Gemahlinnen in ihre Hallen. Sieben Jahre blieben die Schönen ihren Männern in Treue verbunden; dann vermochten sie die Sehnsucht nach Kampfesfreuden und Walhallas Herrlichkeit nicht mehr zu bezwingen, suchten und fanden ihre Schwanenhemden, schlüpften hurtig hinein, schwangen sich selig in die Lüfte empor und nahmen ihren Flug gen Walhall, um nie wieder zu den trauernden Jägern am Wolfssee zurückzukehren.

Stets führt eine besonders hervorragende Walküre den Namen Hilde; “Hild” heißt Kampf, denn Kampf und Waffenklang ist all ihr Trachten und ihre höchste Lust. Auch die Brunhild der Nibelungensage war ursprünglich Odins Walküre; aber da sie in der Fehde zwischen den beiden Königen Agnar und Hialmgunnar wider den Willen ihres Gebieters dem Agnar Sieg verlieh, stach der erzürnte Ase ihr den Schlafdorn in das Haupt und umhegte die Burg, worin sie bewußtlos lag, mit einem Feuerring, der “Waberlohe”. Siegfried, der herrliche Held ohne Furcht und Tadel, sprengte auf seinem Roß Grani durch den Feuergürtel und weckte die schlafende Walküre zu neuem Leben.

Aus der stolzen Schildjungfrau Brunhild wurde im Märchen das holde Königskind Dornröschen. Die beiden sind eins, sind im Grunde ihres Wesens nichts anderes, als Sinnbilder der in tiefen Winterschlaf versunkenen Erde, die im wiederkehrenden Lenz der schöne Frühlingsgott Freyr mit seinem warmen Sonnenkuß zu neuem Leben weckt.

In den Walküren erblicken wir Dichtergebilde von höchster Schönheit und Anmut und fragen bewundernd und staunend: “Woher nahmen unsere Vorfahren die Vorbilder für diese holden Schild- und Schenkmädchen Walhallas?” – Ohne Zweifel wandelten diese mitten unter ihnen: es waren ihre eigenen Töchter, Priesterinnen und Frauen. Und nicht nur durch äußere Schönheit war die nordische Frau ausgezeichnet; glaubten doch die rauhen Kriegsmannen, daß ihrer Seele eine gewisse Heiligkeit und Sehergabe innewohne, wie der Römer Tacitus berichtet. Er selbst hat in Rom die gefangene Priesterin Veleda aus dem Lande der Brukerer an der Lippe gesehen, “die lange bei vielen für ein göttliches Wesen gegolten”.

Und im achtzehnten Kapitel seiner “Germania” berichtet er: “Als Hochzeitsgeschenk bringt der junge Mann seiner gattin Rinder, ein gezäumtes Roß, einen Schild mit Frame (Spieß) und Schwert... Sie selbst bringt dem Manne als Gegengabe Waffen. Diese gelten ihnen als das stärkste Band, als geheimnisvolle Weihe, sie sind ihnen die Schutzgötter des Ehebundes. Und damit sich die Gattin nicht von den Gedanken an männlichen Heldenmut und Krieg ausgeschlossen wähne, wird sie schon durch diese Gaben bei der Hochzeitsfeier daran erinnert: sie trete in das Haus ihres Mannes ein als Genossin seiner Kämpfe und Gefahren und um Gleiches mit ihm zu tragen und zu wagen im frieden und im Kriege; dies sagen ihr die zusammengejochten Rinder, dies das geschirrte Roß, dies die überreichten Waffen. So müsse sie leben, so sterben und die Waffen, die sie als Brautgabe erhalten, unentweiht ihren Kindern und Enkeln hinterlassen.”

Und in so mancher Schlacht haben die Römer mit Staunen und Schrecken den Heldenmut der germanischen Frauen und Jungfrauen kennen gelernt. Noch von der Wagenburg herab kämpften die Frauen der Kimbern todesmutig gegen die anstürmenden Sieger, nachdem schon die Männer erschlagen waren. Sie fürchteten nicht das wilde Kampfgetümmel, standen hinter den Streitern, feuerten sie durch Zuruf und Gesang zur Tapferkeit an, erquickten mit Speise und Trank die ermatteten, verbanden die Verwundeten und trieben die Weichenden durch eindringliches Mahnen und unwiderstehliches Flehen in die Schlachtreihen zurück. –

Nun werden wir es verstehen, daß unsere Vorfahren, die “rohen Barbaren”, so herrliche Poesiegebilde, wie die Walküren, zu schaffen vermochten.



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